Mag. Georg Pfeiffer

Exklusiv-Gespräch mit Mag. Georg Pfeiffer über Unimarkt und Nah&Frisch

Exklusiv-Interview mit Georg Pfeiffer

  • Flächenbereinigt steht ein Plus zu Buche, umsatzmäßig bleibt die Gruppe unter der 430-Millionen-Euro-Marke
  • Umbauvorhaben: Traun
  • Unimarkt-Flotte soll weiter privatisiert werden

Regal: Im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftete die Unimarkt-Gruppe (inklusive Nah &Frisch) 430 Millionen Euro. Welche Entwicklung zeichnet sich für 2018/2019 ab? Zuletzt lag die Gruppe zwei Prozent vorne.
Pfeiffer: Flächenbereinigt sind wir mit unserer Entwicklung zufrieden. Der Gesamtumsatz ist leicht zurückgegangen. Wir stehen aber auf sehr gesunden, stabilen Beinen mit hoher Eigenkapitalausstattung.

Sie sprechen die wirtschaftliche Verfassung des Unternehmens an. Konnte der Gewinn die Drei-Millionen-Euro-Schwelle durchbrechen?
Unser Geschäftsjahr endet erst im Februar, deshalb liegen die finalen Zahlen noch nicht vor. Wir sind aber definitiv auf einem guten Weg.

Im letzten Geschäftsjahr belieferte die Unimarkt-Gruppe 522 Standorte. Der Abschmelzungs­prozess ging aber 2018 weiter.
Ein Thema ist die Nachfolgeproblematik. Es gibt da und dort Standorte, die aktuell unter dem derzeitigen Kaufmann noch funktionieren. So ist oft das Geschäftslokal in eigener Hand, die Einrichtung abgeschrieben. Ein Nachfolger am gleichen Standort hat dann mit Miete und Modernisierung ein ganz anderes Volumen zu heben. Das geht sich dann oft nicht mehr aus. Solche Standorte können wir nicht weiterführen, wir schicken niemanden in ein Himmelfahrtskommando.

Die Unimarkt-Standort-Anzahl ging zurück?
Wir haben derzeit 125 Märkte am Netz und haben zuletzt zwei Geschäfte in Richtung Nah&Frisch überführt, zwei Standorte wurden geschlossen. Wir sind da mittlerweile viel konsequenter geworden. Wenn die Zahlen nicht passen und wir alle standortbezogenen Marketing-Maßnahmen gesetzt haben, dann trennen wir uns von der Fläche und versuchen sie zu verwerten.

Beispiel Alland.
Genau. Das war so ein Fall, wo wir den Standort nicht mehr wirtschaftlich führen konnten und der Mitbewerb Interesse am Markt hatte.

Hat die Abgabe von Alland auch mit der Konzentration auf das Kerngebiet zu tun.
Alland war mit Sicherheit außerhalb oder an der Grenze unseres Lieferradiuses. Wir wollen uns aber klar auf das Band Oberösterreich, Steiermark und Niederösterreich und dort – am besten westlich von Sankt Pölten – fokussieren. Dazu gibt es eine handvoll Realisierungen in Kärnten und im Burgenland. Eine neue Gebietsexpansion nach Wien und Tirol ist ausgeschlossen.

Haben sich die notwendigen Umsatzzahlen für einen Reißbrett-Unimarkt oder „perfekten“ Nah&Frisch-Standort verändert?
Nein. Bei einem Unimarkt-Standort braucht es bei einer Verkaufsfläche zwischen 500 und 600 m2 nach wie vor rund 1,7 Millionen Euro Umsatz. Bei Nah&Frisch liegen wir mit 300 bis 350 m2 bei rund einer Million Euro.

Sie haben sich ein mittelfristiges Ziel von 100 Franchise-Partnern vorgenommen. Wie sind Sie mit der bisherigen Privatisierungswelle zufrieden?
Wir haben derzeit 52 Franchise-Partner und 73 Eigen-Filialen im Portfolio. Heuer gehen wir davon aus, dass wir mindestens zehn Filialen übergeben können und damit bereits Parität erreichen.

Wie hoch ist die Nachfrage an Standorten?
Wir sind sehr zufrieden. Aktuell gibt es einen Pool von 25 Interessenten. Und es bleibt dabei: Jeder Standort darf angefragt werden und wir sind auch über einen Response aus der Unimarkt-Familie erfreut. Auch wenn es vielleicht am Ende nicht reicht, einen Markt zu übernehmen. Jeder, der es sich zutraut, darf sich um ein Geschäft bemühen, klappt es nicht, wird das auch keine negativen Konsequenzen für den jeweiligen Mitarbeiter haben.

Was sind die größten Stolpersteine?
Es gibt oft noch ein Finanzierungsproblem. Noch immer sind die Banken hier zurückhaltend. Und das Minimum, das ein künftiger Kaufmann aufbringen muss, ist einfach die erste Warenausstattung.

Lässt sich diese auch beziffern?
Das spielt sich zwischen 80.000 und 100.000 Euro ab.

Sie haben sich immer wieder in neuen Formaten probiert, sind neue Modellmärkte in der Pipeline?
Nein. Wir sind mit unseren aktuellen Muster-Märkten zufrieden. Auch Prestige-Standorte – wie etwa eine Fläche in der Linzer Landstraße – wird es nicht geben.

Zuletzt wurden jährlich zwischen acht und zehn Millionen Euro investiert. Was wird aktuell notwendig sein?
Wir werden die Schritte der letzten Jahre kontinuierlich gehen.

Unimarkt bog als erstes auf die Online-Schiene ab. Wie sind Sie mit der Performance aktuell zufrieden?
Wir schreiben nach wie vor zweistellige Zuwachsraten und machen insgesamt mit Online einen Umsatz von einer mittleren Filiale. Aber: Wir schreiben aktuell noch Verluste. Es ist ein Knochenjob, wo wir dringend an neuen, kostengünstigeren Abläufen arbeiten. Die Bonsummen sind vielversprechend.

Konnten Sie bereits die 70-Euro-Marke knacken?
Wir haben mit 55 Euro angefangen und sind mittlerweile bei einem Durchschnittswert von 90 Euro angekommen.

Kommissioniert wird dabei weiter über Filialen?
Ja. Dabei handelt es sich um aktive Standorte oder dark stores. Wir sind gerade dabei, für Ost-Österreich neue Kommissionier-Filialen zu finden. Denn ein wichtiges Absatzgebiet unseres Online-Shops ist der Großraum Wien. Auch in Linz und Graz haben wir guten Zuspruch.

Ein wichtiges Asset sind ihre zwei Logistik-Drehscheiben in Seiersberg und Traun. Seiersberg ist hochmodern, gibt es Modernisierungspläne für Traun?
Beide Verteilerzentren sind gesetzt. Und ja: Für Traun sprechen wir mit Partner Transgourmet über einen Umbau, eine Investition für das Jahr 2019.

Mit Transgourmet teilen Sie sich auch die Einkaufsdrehscheibe Top-Team-Zentraleinkauf. Eine wichtige Partnerschaft für die Unimarkt Gruppe?
Natürlich bekommen wir durch ein von Transgourmet gepushtes Einkaufsvolumen bessere Konditionen für den Markt. Doch auch unser Partner hat durch unser sehr breites, sehr tiefes Einzelhandelssortiment bessere Zugriffe auf Paletten, die ihm sonst nicht so einfach zur Verfügung stehen würden.

Sie haben sich den regionalen Sortimenten verschrieben. Die Zielwerte waren, die Anteile bei Unimarkt von 14 auf sukzessive Richtung 20 Prozent zu heben und insgesamt die Frische auf 50 Prozent zu pushen.
Das ist nach wie vor so. Beide Anteile gehen planmäßig hinauf.

Welche Paletten werden stattdessen zurückgefahren?
Das ist ganz klar Non Food II und Non Food I. Ich denke, dass es auch bei den Drogeriemarkt-Ketten eine Verdichtung gibt und wir hier nicht mehr diese Breite darstellen müssen.

Pfeiffer hat sich immer mehr für Marken eingesetzt.
Das ist auch heute noch so. Wir haben aktuell einen Eigenmarkenanteil von unter zehn Prozent.

Und „natürlich für uns“?
Jeder Einzelhändler braucht eine Bio-Linie. „Natürlich für uns“ läuft perfekt. Wir haben hier mit MPreis und Transgourmet gute Partnerschaften bilden können. Wir wachsen. Die Artikelanzahl pendelte sich zuletzt zwischen 600 und 700 Produkten ein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Herbert Schneeweiß