Metro: Die Pläne

Exklusiv: Metro GF Plotitza

  • Mega-Invest in Zustellung
  • Start mit ESL, neuem Kassen- und Bestellsystem
  • 1.000 Neulistungen pro Jahr

Regal: Herr Plotitza, Metro hat im Geschäftsjahr 2017/2018 um 1,3 Prozent zugelegt. Sind Sie zufrieden?
Xavier Plotitza: Wir haben erfreulicherweise einige Top-Märkte im Portfolio und dennoch starte ich ambitioniert und sage: Mehr geht noch.

Der Zustell-Anteil bei Metro liegt bei rund 20 Prozent. So mancher Mitbewerber bewegt sich deutlich darüber.
Wir entwickeln uns aus dem Cash&Carry Geschäft und daher treiben uns zwei Motoren: C&C und Food Service Distributions, also Zustellung. Und ja, wir haben Rückgänge bei der Abholung, allerdings in sehr gutem Verhältnis zu wachsenden Zustellungsraten. Vor 15 Jahren lag der Zustell-Anteil noch bei fünf Prozent, wir waren auf diesem Gebiet übrigens Vorreiter in der Metro Welt. Der Markt in Österreich hat sich seitdem schnell entwickelt. Ein Fokus wird definitiv der Ausbau der Zustellungsmaßnahmen sein. Allerdings werden wir auch die Märkte nicht vergessen. Denn unsere Kunden schätzen den persönlichen Kontakt mit dem Produkt und in der Beratung. Hier zeigen wir weiterhin unsere Stärken.

Wie viel wird im aktuellen Geschäftsjahr in die Zustellung investiert?
Wir investieren weiter massiv, wie geplant nach Potenzial pro Region und pro Großmarkt.

Wohin möchten Sie mit der Zustellung kommen?
Wir liegen derzeit bei rund 20 Prozent in der Zustellung bei Metro Österreich, davon entfallen rund 90 Prozent auf Hotels, Restaurants und Caterer. Das Ziel ist, die derzeit 20 Prozent jedes Jahr um acht Prozent zu erhöhen. Wir liegen bereits in einigen Regionen bei 25 Prozent, andere Märkte bewegen sich darunter.

Wie leicht ist es, als Großhändler auf Regionalität zu setzen?
Gute Frage – es ist tatsächlich sehr komplex. Man muss einen langen Atem haben, auch, wenn Mengen einmal nicht verfügbar sind. Dennoch legen wir großen Wert auf regionale Partnerschaften, die für unsere Kunden und letztendlich für uns alle große Bedeutung haben. Ein Beispiel ist die Kooperation mit den Landwirten aus dem Biosphärenpark Reine Lungau. Metro vermarktet das Fleisch der Milchkühe, die so noch einige Zeit auf den Weiden im Lungau verbringen und in der Gastronomie als „Alte Kuh“ sehr geschätzt sind. Es ist wichtig, als Lebensmittelhändler in Öster­reich bäuerliche Strukturen zu unterstützen. Wir führen je Markt bis zu 700 Artikel unter dem Label „Regionah“. Diese stammen zu 100 Prozent aus Österreich, kommen von Klein- und Mittelunternehmen und aus maximal 100 Kilometer Umkreis zum Markt ins Regal.

Sie haben von Stärke gesprochen. Was ist die Stärke von Metro?
Das reicht vom Sortiment, der Nähe und der Beziehung zu den Kunden bis hin zu unseren Dienstleistungen. Wir sind mehr als Händler, wir sind eine Schnittstelle mit vielen Lösungen für die Herausforderungen unserer Kunden. Wir arbeiten mit über 500.000 Kunden österreichweit zusammen, darunter viele Klein- und Mittelbetrieben – und den Menschen, die diese betreiben.

Wo liegt, Ihrer Meinung nach, die ideale Verkaufsfläche eines C&C-Marktes?
Zwischen 8.000 und 12.000 Quadratmetern.

Wie viele Metro-Märkte befinden sich in dieser Größenordnung?
Sechs. Wir machen allerdings auch mit den anderen sechs Standorten gute Umsätze. Aber ja, es gibt sicher da und dort Verbesserungspotenzial in unserem Flächenmanagement.

Wird es künftig Abstriche im Sortiment geben?
Wir werden künftig ein umfassendes geschärftes HoReCa-Sortiment anbieten. Es gibt viele Ideen, die Sortimente optimaler zu gestalten, aber gut durchdacht und nicht von heute auf morgen. Eine Umstellung in den Regalen ist nicht einfach und zielführend. Denn unsere Kunden wissen ganz genau, wo etwas platziert ist. Bei ihrem Einkauf geht es um jede Minute und sie schätzen es „alles unter einem Dach“ in knapper Zeit zu finden. Ich sehe definitiv keinen Grund für Abstriche. Manche Sortimente kann man aber sicher zuspitzen.

Welche Bedeutung hat Non Food?
Wir machen 80 Prozent unseres Business mit Food und 20 Prozent mit Non Food, zusammen ergibt das 100 Prozent starke Gastro-Kompetenz.

Wo sehen Sie noch weitere Potenziale?
Zum Beispiel beim Thema Großmengen. Aber auch Großküchen. Viel mehr Kunden sollen wissen, dass Metro hervorragend Großküchen baut. Dazu reicht ein Volumen von 30.000 bis 40.000 Euro – wir sind in diesem Zusammenhang auch verstärkt auf der Suche nach Finanzierungspartnern. Das ist ein Projekt, das ich zum Beispiel auch in Frankreich umgesetzt habe. Hohes Potenzial haben unsere Eco-Systeme, denn wir bieten unseren Kunden neben digitalen Services, smarte Lösungen zur Energieeffizienz und Finanzierungsmodelle, um ihr Geschäft erfolgreicher zu machen.

Zeichnen Sie mir Ihren Ideal-Markt – wie sieht er aus?
St. Pölten ist sicher in Sachen Frische State of the Art.

ESL, Screens & Co. Wird sich Metro auch technisch weiterentwickeln?
Wir sind mitten in der Technik-Offensive. In Kürze kommt ESL in vier Märkten. Bis Mitte 2020 sollten hoffentlich alle Metro-Standorte umgestellt sein. Auch unser Kassen- und Bestellsystem wird modernisiert.

Es hieß, Metro will weiter in Digitales investieren. Welche Maßnahmen werden in Österreich umgesetzt?
Wir bieten allen Gastronomen kostenfreie Websites und ein Reservierungstool, das auch in bestehende Websites eingebaut werden kann. Der Vorteil liegt darin, dass Gastronome bei uns keine Zusatzgebühren pro Reservierung zu errichten haben. Die Metro Bestell-App funktioniert auch offline, da sich Warenlager zumeist außerhalb der Netzreichweite befinden, die gescannten Waren bleiben bis zur Online-Bestellung gespeichert. Zudem gehen wir viel stärker in die Servicierung und überarbeiten unser Bestellportal. Mit der Online-Plattform „Dish“ erhalten Gastronomen Zugriff auf digitale Gastro-Software, branchenspezifischen Informationen und die Möglichkeit zum Vernetzen.

Sie kommen aus Frankreich. Gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen dem französischen und dem österreichischen Markt?
Zu wenige (lacht). In Frankreich legt Metro einen viel größeren Fokus auf Hotels, Bäckereien und Restaurants aller Arten.

Sie haben Großmengen erwähnt. Ihr Wunsch an die Produzenten?
Viele Hersteller liefern die gleichen Produkte wie an Retailer, nur in größeren Gebinden. Es geht in unserem Sortiment aber nicht nur um Großpackungen. Wir sind das Bindeglied zur Gastronomie und man darf uns auch als solches verwenden, Verkostungen durchführen und gemeinsam echte, auf die Zielgruppe zugeschnittene Neuheiten bringen. Wir listen immerhin 1.000 neue Produkte pro Jahr. Da ist einiges möglich …

Danke für das Gespräch.

Verena Widl