Spar-Präsident Dr. Gerhard Drexel

Spar-Österreich Gruppe erstmals 15 Milliarden Euro Umsatz

Großes Spar Interview mit Präsident Drexel

  • Investitionen von 700 Millionen Euro
  • Wachstum Spar Ausland: + 7,2 %

Regal: Wie ist 2018 für Spar gelaufen?
Dr. Gerhard Drexel: Wir sind sehr zufrieden. 2018 ist für uns ein Rekordjahr betreffend Umsatz, Marktanteil und Ertrag. Der Umsatz der gesamten Spar Österreich-Gruppe inklusive SES stieg um 4,7 Prozent und durchstieß erstmals die 15-Milliarden-Euro-Schwelle.

Und im Kerngeschäft Lebensmittelhandel?
In Österreich gab es ein Wachstum von vier Prozent auf 6,88 Milliarden Euro, im Ausland stieg der Umsatz um 7,2 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro.

Ist Spar im Inland wieder Wachstumsführer?
Ja! In den letzten neun Jahren wurden wir neun Mal in Folge Wachstumsführer unter den Vollsortimentern. Wenn man den Diskont miteinbezieht, so wurden wir in den letzten neun Jahren sieben Mal Wachstumsführer, so auch im Jahr 2018.

Das müsste sich ja dann auch beim Marktanteil ausgewirkt haben.
Hier konnten wir 2018 einen historischen Höchststand erreichen. Laut AC Nielsen konnten wir unseren Marktanteil von 31,2 Prozent im Jahr 2017 auf 31,9 Prozent im Jahr 2018 steigern.

Hat sich das auch im Ertrag niedergeschlagen?
Ja! Wir konnten 2018 ein EBT, also Gewinn vor Steuern, von 325 Millionen Euro erzielen, das entspricht einer EBT-Marge von 3,1 Prozent vom Nettoumsatz. Im Jahr 2017 erzielten wir ein EBT von 302 Millionen bzw. 3,0 Prozent vom Nettoumsatz.

Das müsste dann aber auch bedeuten, dass Spar bei steigendem Umsatz auch neue Arbeitsplätze schafft. Die Regierung Kurz würde sich freuen?
Wir haben im Vorjahr 1.300 neue, zusätzliche Arbeitsplätze im In- und Ausland geschaffen, davon etwa 500 allein in Österreich. Spar beschäftigt in Österreich 44.700 Menschen.

Welche neuen Großflächen-Standorte sind in den nächsten zwei Jahren in der Pipeline?
Bei Interspar sind zwei neue Standorte in Planung: In Perg (OÖ) wird ein bestehender Eurospar zu einem Interspar ausgebaut. Das Projekt befindet sich derzeit im Behördenverfahren, Baubeginn wird für 2020 erwartet. In Wien 23, Breitenfurterstraße, ist ein neuer Interspar-Standort geplant. Die Eröffnung ist für 2020 vorgesehen. Die bekannten Interspar-Standorte in Bregenz, Braunau, Lienz, Wien-Alt Erlaa und Amstetten werden 2019/2020 von Grund auf neu gebaut. In Amstetten wird bereits gebaut, die Eröffnung soll noch im Herbst 2019 stattfinden.
Noch bis etwa Jahresmitte 2019 wird der aufwändige und durchaus spektakuläre Neubau für den Maximarkt in Ried im Innkreis dauern.

Wieviel wird 2019 inves­tiert?
Wir werden ein Investitionsvolumen von über 700 Millionen Euro im In- und Ausland stemmen. Der Großteil fließt in Erneuerungen, in unsere Supermärkte, wodurch unsere Verkaufsfront gestärkt wird. Darüber hinaus gibt es drei große, zusätzliche Projekte. So wird in Laibach Šiška ein neues, wegweisendes Einkaufszentrum mit 32.000 Quadratmetern verpachtbarer Fläche entstehen. Dieses ist bereits in Bau und wird 2020 eröffnet. In Lienz/Osttirol planen wir ein innerstädtisches Shopping-Quartier mit rund 10.000 Quadratmetern verpachtbarer Fläche. Wir möchten im Herbst 2019 zu bauen beginnen.

Und das dritte Groß-Projekt?
Südlich von Padua, in Monselice, wird ein neues Logis­tikzentrum sowie ein neues Tann-Fleischwerk errichtet.

Wie haben sich im Vorjahr die Eigenmarken entwickelt?
Mit unseren gut 5.000 Eigenmarken erreichten wir 2018 einen Anteil am Verkaufsumsatz von über 40 Prozent. So wie im letzten Jahr wird es auch 2019 ein Feuerwerk an innovativen und attraktiven neuen Eigenmarken geben.

Bio boomt weiter?
Bei Bio sind wir besonders expansiv. Mit „Spar Natur pur“ sind wir in den letzten zwölf Jahren jedes Jahr um durchschnittlich 15 Prozent gewachsen. Ein Ende des Bio-Booms ist noch lange nicht in Sicht.

Wie ist man bei Spar mit den Marken und Innovationen zufrieden?
Gegenüber Top-Innovationen aus der Markenartikel-Industrie sind wir immer aufgeschlossen. Wir würden uns aber durchaus wünschen, dass sich die Industrie mehr Mut zutraut. So wie in der neu erwachten Start-up-Szene. Hier haben wir unter unserem neuen Marketing-Claim „Young & Urban by Spar“ die Neuheiten von 29 Start-up-Unternehmern in unser Sortiment aufgenommen.

Wie haben die Kaufleute im Vorjahr performt?
Auf unsere Spar-Kaufleute sind wir besonders stolz. Sie sind das Herz und das lebendige Zentrum der Spar, dynamisch und ganz nah bei den Kunden. Im Vorjahr erzielten unsere Kaufleute auf bestehender Fläche ein Wachstum von 3,3 Prozent. Sie sind damit doppelt so stark gewachsen wie die gesamte LEH-Branche, die gemäß Nielsen 2018 um 1,6 Prozent gewachsen ist.

Wieviele Standorte von selbständigen Einzelhändlern gibt es in Österreich?
701.

Aber warum hat man sich bei den Tankstellen-Shops von Shell getrennt?
Bei Shell kam es zu keiner Vertragsverlängerung, weil es unterschiedliche Auffassungen zur grundsätzlichen Preispositionierung gab. Für uns ist bei Tankstellenshops die Supermarkt-Preisgarantie ein essenzielles Marketingversprechen.

Spar bezeichnet sich oft auch als Anwalt der Konsumenten. Wie sieht hier das Programm aus?
Unser Programm drückt eine Haltung aus. Wir wollen als Anwalt für unsere Kunden zur Zuckerreduktion in unserem Sortiment beitragen. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2020 aus unseren Eigenmarken 1.000 Tonnen Zucker zu entziehen, und zwar ohne Ersatz durch künstliche Süßstoffe. Wir verzichten auf Palmöl, 99 Prozent unserer rund 5.000 Eigenmarken sind bereits palmölfrei. Außerdem verzichten wir auf Glyphosat in der Lebensmittelerzeugung sowie seit den 90er-Jahren auf Gentechnik in Lebensmitteln. Und unsere Kosmetik-Eigenmarken sind bereits heute frei von Mikroplastik.

Im Marketing gibt es keine Veränderungen, Spar bleibt bei Mirjam Weichselbraun?
Ja, sicher! Mirjam ist für uns ein Glücksfall. Wir setzen weiter auf das Kult- und Star-Prinzip in Marketing und Werbung.

Wird in der Expansion ein neues Land hinzukommen?
Ein neues Land nicht, aber wir expandieren in eine für uns neue Region in Italien: in die Emilia Romagna mit immerhin 4,5 Millionen Einwohnern.

Wie ist Interspar im Vorjahr gelaufen?
Ausgezeichnet, sowohl was Umsatz, Wachstum und Ertrag betrifft. Auf bestehender Fläche sind wir um circa 2,5Prozent gewachsen. Neben der sehr guten Entwicklung im Food-Geschäft haben wir auch schon seit mehreren Jahren eine ausgezeichnete Entwicklung im Nonfood-Bereich. Unsere Nonfood-Eigenmarken sind sehr erfolgreich und so wie im Jahr 2017 auch 2018 zweistellig gewachsen.

Wurden im Vorjahr im Inland viele Modernisierungen durchgezogen?
Rund 30 Spar- und Eurospar-Standorte wurden 2018 neu eröffnet oder im Zuge einer Standortverlagerung neu errichtet. Hinzu kommen 70 Komplett-Erneuerungen. Von den rund 1.500 Spar-Standorten werden 701 von unseren selbstständigen Spar-Kaufleuten betrieben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Schuhmayer