Neue Geschäftsführung (v.l.n.r.): Klaus Mantl, KR Leopold Wedl, Lorenz Wedl und Tobias Waidhofer

Die Wedl-Gruppe aus Tirol legte im Vorjahr fast vier Prozent zu. Nun werden Kühlanlagen in C&C-Märkten erneuert

Wedl: Tolle Ergebnisse

  • 342,4 Millionen Euro Umsatz mit Gastro-GH
  • Zustellung macht 70 Prozent aus
  • 2019: Invest in Logistik, Kühlung und IT

Zufriedenstellendes Jahr 2018 für das Tiroler Handelshaus Wedl. Die gesamte Gruppe schraubte die Erlöse um 3,7 Prozent auf 517,5 Euro hoch. Rekordumsätzen in den ersten Monaten, mit teilweise zweistelligen Zuwachsraten, folgte jedoch ein mäßiger Herbst. Ebenfalls toll: Vier Prozent Plus und einen Umsatz von 342,4 Millionen Euro schrieb der Gastro-Großhandel im Vorjahr.
Seit Jänner steht ein neues Geschäftsführer-Trio offiziell an der Spitze der Wedl Handels-GmbH. Allen voran: Lorenz Wedl, zuständig für Einkauf, Vertrieb, Marketing und Category Management. Außerdem: Tobias Waidhofer ist für Finanzen, Controlling und IT verantwortlich. Klaus Mantl bringt seine Logistik-Kompetenz ein und wird diesen essentiellen Bereich federführend weiterentwickeln. KR Leopold Wedl scheidet als langjähriger erfolgreicher Geschäftsführer somit aus dem Lebensmittelgroßhandel aus und wird sich zukünftig vermehrt den anderen Geschäftsbereichen weiterhin als GF in der Holding widmen.

Nah&Frisch. Einziger Wehrmutstropfen: Das Nah&Frisch-Geschäft zeigt sich leicht rückläufig. 46 Lieferstellen hat Wedl im Westen Österreichs am Radar. „Die Dichte im Lebensmitteleinzelhandel ist bei uns sehr groß. Es ist zunehmend schwierig, neue Kaufleute zu finden“, so Geschäftsführer Lorenz Wedl im Gespräch mit REGAL. Man wolle sich dennoch als Nahversorger insbesondere in kleineren Orten für Einheimische und Touristen positionieren. Die ideale Verkaufsflächengröße in diesem Bereich beziffert Wedl mit 100 bis 150 Quadratmeter. Der Hoffnungsträger: Das Convenience-System Nah&Frisch punkt, von dem derzeit drei am Netz sind. Die Kooperation mit Tankstellen soll diesbezüglich gepusht werden. „Aber auch klassische Nah&Frisch-Standorte, gekoppelt mit Gastro, oder Partnerschaften mit der Post und diversen anderen Dienstleistern können für mehr Frequenz sorgen. Wir sehen Nah&Frisch künftig als Multiservice-Hub.“

70 Prozent Zustellung. Im Gastro-Großhandel erwies sich die Zustellung als Wachstumsbringer. „Der stationäre Handel ist stagnierend. Die Zustellung hat mit 5,7 Prozent massiv dazugewonnen. Der Anteil liegt mittlerweile bei 70 Prozent“, sagt Wedl. „Klein- und Mittelbetriebe sind tendenziell Abholkunden, Größere wählen eher die Zustellung.“ Die Anzahl der Kunden im Zustell-Bereich sei wesentlich geringer, der durchschnittliche Bestellwert aber deutlich über dem Durchschnitt. Der Online-Anteil an der Zustellung liegt bereits bei über 30 Prozent. In den nächsten zwei Jahren will Wedl die 50-Prozent-Marke knacken. „Der rundum erneuerte Online-Shop wird von unseren Kunden sehr gut angenommen und der Umsatz in diesem Bereich ist um 17 Prozent gewachsen und hat auch heuer bereits wieder stark zugelegt. Wir sehen den Außendienst-Mitarbeiter künftig als Fachexperten und Berater, der auch Zusatzverkäufe erledigt und die Neukundenakquise forciert.“

In Salzburg ist Wedl seit vielen Jahren mit Standorten in St. Johann und Saalfelden erfolgreich und präsent. „Die im letzten Jahr neu gebaute Auslieferungshalle in Saalfelden gewährleistet ein effizienteres Arbeiten und ermöglicht neues Wachstum in diesem geografisch wichtigen Gebiet.“ Die Kommissionierung erfolgt in Mils, wandert mittels Nachtsprung nach Saalfelden, wo sie feinkommissioniert bzw. für die Auslieferung bereitgestellt wird.

120 LKWs. 2019 wird weiter in Zustell-Maßnahmen investiert. „Wir erneuern und erweitern laufend unseren LKW-Fuhrpark und schrauben an IT-Lösungen, um die flächendeckende Lieferung just in time bestmöglich sicherzustellen.“ Dabei setzt Wedl auf seinen eigenen Fuhrpark – außer in Wien und Norditalien – mit rund 120 LKWs.

Warenpräsentation. Trotzdem soll der stationäre Handel nicht in Vergessenheit geraten. In der Pipeline ist einiges – „angefangen von Aktionen eigens für Abhol-Kunden bis hin zu digitalen Screens, verbesserten Kundenläufen und originellen Sonderplatzierungen.“ Ein Schwerpunkt in den nächsten Monaten und Jahren ist die einheitliche Produktpräsentation in den Wedl-Märkten. „Die Warenpräsentation wird sich heuer in den meisten C&C-Standorten verändern“, kündigt der Geschäftsführer an.
Ebenfalls auf der Agenda: Umstellung auf LED-Beleuchtung in zahlreichen Geschäften. Elektronische Preisbeschilderung sieht Wedl kritisch. „Rentabilität ist erst dann gegeben, wenn sich Preise häufig ändern. Wir sehen hier, wenn überhaupt, nur bei O&G Bedarf, weil sich die Preise in diesem Bereich volatil bewegen. Heuer ist aber definitiv kein Umstieg geplant.“

Investitionen. Auch im Kühl-Bereich kündigt der Manager eine Modernisierungswelle an. „Wir werden sukzessive zahlreiche Kühlanlagen erneuern. Fix ist bereits der Standort in Villach, weitere Märkte werden geprüft.“ Die Kühl-Offensive nimmt den größten Anteil am Investitionskuchen im Jahr 2019 ein. Weitere Bausteine: Fuhrpark/Logistik und IT. Neue Märkte seien derzeit kein Thema. „Weiße Flecken gibt es, aber über ungelegte Eier sprechen wir nicht.“

Im Sortiment wollen die Tiroler verstärkt und flexibel auf Kundenwünsche eingehen. „Wir bemühen uns, kurze Wege zu gehen. Dazu gehört, Produktneulistungen möglichst einfach zu gestalten, aber auch jene herauszunehmen, die weniger gut funktionieren.“ Großes Potenzial ortet Wedl im Bio-Segment.

Verena Widl