Hofer Generaldirektor Horst Leitner

Hofer nimmt neuen Schwung

Hofer Interview mit GF Leitner

  • Marktanteil liegt bei 20,6 Prozent
  • Umsatz klettert auf 4,2 Milliarden Euro
  • 2019: Frische-Offensive; Ausbau der Logistikdrehscheiben in Loosdorf und Trumau
  • Expansionsgebiet: Wien und größere Städte
  • Neun neue Filialen in der Schweiz und Ungarn

REGAL: Zuletzt kommunizierte Hofer einen Marktanteil von 20,9 Prozent und Medien einen Umsatz von 4,2 bis 4,3 Milliarden Euro. Wie konnten Sie als Diskont-Primus das Jahr 2018 abschließen?
Leitner: 2018 konnten wir unsere starke Stellung im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel weiter ausbauen. Wir haben mit 4,2 Milliarden Euro ein Umsatzplus im einstelligen Prozentsatz im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet und setzen unseren Wachstumskurs ungebrochen fort.

Weshalb ist der Marktanteil 2018 zurückgegangen?
Der Marktanteil von Hofer hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf hohem Niveau zwischen 20,5 und 20,9 Prozent bewegt. Mit aktuell 20,6 Prozent bleiben wir weiterhin der größte Lebensmitteleinzelhändler Österreichs. Unser erklärtes Ziel ist es, die Nummer eins zu bleiben und Umsatz und Marktanteil kontinuierlich zu steigern. Unser Fokus liegt verstärkt auf dem Bereich Frische, da wir hier noch Potenzial sehen.

Welche Maßnahmen werden in diesem Segment gesetzt?
Im Rahmen einer Frischeoffensive werden wir mehrere Maßnahmen setzen, wie den Ausbau unseres Frischeangebots, eine ausgedehnte Verfügbarkeit von Frischeprodukten und natürlich die tägliche Belieferung unserer Filialen mit frischem Obst und Gemüse. In unserem Selbstverständnis als regionaler Nahversorger wurde etwa das Obst- und Gemüseangebot auf bis zu 100 Artikel ausgebaut und der Backbox-Rollout ist abgeschlossen. Auch das Fleischangebot wird laufend nicht nur quantitativ, sondern mit nachhaltigen Eigenmarken wie „Zurück zum Ursprung“ oder FairHOF (mit mehr als 50 Fleisch- und MoPro-Artikeln)  auch qualitativ weiterentwickelt.

Ein Wort zu den verbundenen Ländern in Ungarn, Schweiz, Slowenien? Wie viele Standorte wurden 2018 jeweils ans Netz genommen, wie viele sind 2019 geplant? Wie sieht die Entwicklung aus?
Die Performance der gesamten Hofer S/E-Gruppe ist sehr zufriedenstellend, was auch die laufende Expansion eindrucksvoll beweist. Alleine im Jahr 2018 wurden neun Filialen in der Schweiz, ein Standort in Slowenien und neun Geschäfte in Ungarn neu eröffnet. Außerdem wurden in Italien im ersten Geschäftsjahr 50 Neueröffnungen gefeiert. Insgesamt sind somit in der Schweiz mehr als 200, in Slowenien mehr als 80, in Ungarn mehr als 130 und in Italien 54 Märkte am Netz. Wir verfolgen eine ähnliche Strategie wie in Österreich, was die Standortwahl betrifft. In erster Linie konzentrieren wir uns auf große Städte, wir identifizieren aber auch laufend in ländlichen Gebieten neue Standorte mit Potenzial. Wir sehen in diesen Ländern noch viele Wachstumschancen und streben weiterhin hohe Zuwachsraten an.

Sie haben Italien bereits angesprochen.
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 50 Filialen eröffnet, womit wir das gesteckte Ziel von 45 Filialen übertreffen konnten. Ausgehend von unserer bisherigen Neueröffnungsanzahl möchten wir auch in Zukunft unser Wachstumstempo hoch halten.

Hofer hat zuletzt massiv an den Logistikdrehscheiben gearbeitet. Was steht heuer im Bereich Logistik auf dem Programm?
Aufgrund der Filialexpansion bauen wir bestehende Lager aus und modernisieren diese. Der Fokus liegt momentan im Osten Österreichs, was vor allem an der hohen Filialdichte in Wien liegt. Derzeit sind Erweiterungsarbeiten bei unseren niederösterreichischen Niederlassungen in Trumau und Loosdorf im Gange.

Wie hat sich der IT-Hub in Eberstalzell bewährt?
Das Innovationszentrum Alpha Retail Network in Eberstalzell wurde als Begegnungszone für Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung konzipiert, mit dem Ziel Synergien optimal zu nutzen. Unter anderem arbeiten wir daran innovative Konzepte der digitalen Kundenkommunikation zu entwickeln und so unsere Services noch weiter zu optimieren. Wir sind sehr zufrieden mit den bisherigen Entwicklungen und haben auf diesem Weg die Weichen gestellt für zukünftige Herausforderungen, die durch die Digitalisierung auf den Handel zukommen können.

Hofer expandierte in den letzten Jahren massiv, durchstieß 2018 die 500er Marke. Wie viele neue Märkte sind 2019 geplant und wie viel Expansionspotenzial orten Sie noch insgesamt?
Die 500 Filialen-Marke war ein weiterer Meilenstein für uns. Unabhängig davon analysieren wir regelmäßig potenzielle Standorte, um unserem Anspruch als Nahversorger noch weiter gerecht zu werden. Gerade stark wachsende Ballungszentren als auch aufstrebende periphere Regionen bieten Chancen für ein modernes Diskontangebot.

Wie viele Modernisierungen beziehungsweise Erweiterungen sind heuer geplant?
Wir arbeiten laufend an der Modernisierung und Erweiterung unserer Filialen. Alleine im vergangenen Jahr sind neben 22 neuen Filialen auch 19 modernisierte Märkte ans Netz gegangen. Wo immer möglich werden bestehende Filialen am bisherigen Standort generalsaniert oder neu gebaut, da wir unsere Kunden am gewohnten Ort, allerdings mit einem gesteigerten Einkaufserlebnis bedienen möchten. Dabei spielen Energieeffizienz und moderne Architektur eine wesentliche Rolle. Auch 2019 werden wir Modernisierungsarbeiten bei bestehenden Filialen in der bisherigen Dynamik durchführen.

Ist Wien nach wie vor ein wichtiges Expansionsziel?
Wir setzen weiterhin auf die Verdichtung unseres Filialnetzes in großen Städten wie Wien. Wenn wir in ländlichen Gebieten „weiße Flecken“ mit Potenzial erkennen, werden wir diese auch nutzen. Auf diese Weise verkürzen wir flächendeckend die Einkaufswege für unsere Kunden und sind als beliebter Nahversorger schnell erreichbar.

Wie sieht aktuell der Modell-Hofer aus?
Wir konzentrieren uns am Point of Sale künftig noch mehr auf Frische und Regionalität, was unter anderem im Obst- und Gemüsebereich mit unserem Angebot von bis zu 100 verschiedenen Artikeln deutlich wird. Außerdem zeichnen unsere neuen Filialen durch breitere Gänge, angenehme Atmosphäre und viel Platz für Aktionsartikel aus.
Ein fixer Bestandteil in allen Filialen ist die Backbox: Bis zu 32 verschiedene Artikel – zum Großteil von regionalen Bäckern in traditioneller Weise hergestellt – sind in unserem Brot- und Backwarensystem täglich frisch erhältlich.
Ebenso gehört unsere gut sortierte Vinothek mit erlesenen Weinen aus aller Welt zur Grundausstattung.

Und Nachhaltigkeit?
Ganz im Sinne unserer Nachhaltigkeitsinitiative „Projekt 2020“ setzen wir in unserem gesamten Filialnetz auf nachhaltige Technik: Die Energieversorgung unserer Märkte erfolgt zu 100 % mit Grünstrom aus Österreich, zudem kommen stromsparende LED-Beleuchtung sowie energieeffiziente Kälte-Wärme-Verbundanlagen zum Einsatz.

Wie sind Sie mit dem Einstieg im Bereich Baby-Nahrung zufrieden?
Babynahrung zählt zu den anspruchsvollsten Warengruppen im Lebensmittelhandel, die Einführung der „Zurück zum Ursprung“ Bio-Babynahrung war somit für uns ein Schritt zur Königsdisziplin. Mit dem kompletten Verzicht auf Palm- und Tropenöle bei Milchnahrung, konsequenter Transparenz und landwirtschaftlichen Hauptrohstoffen aus heimischen Regionen setzen wir neue Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards. Dass wir damit den Puls der Zeit getroffen haben, zeigt sich anhand der großen Nachfrage und Beliebtheit der Produkte.

Welche Bedeutung haben Marken-Artikel für Hofer, wo liegt der Markenanteil aktuell und wird er ausgebaut?
Wir bekennen uns klar zu unseren starken und unabhängigen Eigenmarken, die rund 90 Prozent unseres rund 1.400 Artikel starken Produktsortiments ausmachen. Der hohe Eigenmarkenanteil ermöglicht es uns, unseren eigenen Standard in puncto Preis und Qualität zu setzen. Unser Kernsortiment wird regelmäßig um Aktions- und Saisonartikel sowie spezielle Themenschwerpunkte ergänzt. Dort wo es sinnvoll ist, kommen zudem ausgewählte Markenartikel hinzu. Da unsere Kunden vermehrt Top-Brands nachfragen, bieten wir heuer auch zeitlich begrenzte Aktionen auf Markenartikel an.

Herbert Schneeweiß, Gregor Schuhmayer