Rewe Vorstand Marcel Haraszti

Billa plant 30 neue Standorte

Rewe-Bilanz

  • Umsatz klettert in Österreich auf 8,66 Milliarden Euro
  • Invest 2019: 300 Millionen Euro
  • Online-Umsatz auf 30 Millionen Euro

Die Rewe bläst 2019 zum Angriff. 300 Millionen Euro investieren die Wiener Neudorfer heuer in die Austro-Flotte. Wuchtige Expansions- und Umbaupläne sind geschnürt. „Wir sehen noch viele weiße Flecken im Westen. Vor allem in Salzburg und Tirol. Doch auch in unserem Kerngebiet in Wien, das jährlich um 30.000 bis 40.000 Einwohner wächst, gibt es noch Potenziale“, erklärt Bereichs-Vorstand Marcel Haraszti.

Pläne bei Billa. Konkret wird die Billa-Flotte um 30 Standorte anwachsen. Derzeit sind 1.088 Filialen aufgeschalten. Dabei zimmert die gelb-rote Supermarkt-Kette an immer größeren Märkten. „Wir werden bei 25 Umbauten in diesem Jahr auch Erweiterungen umsetzen.“ Der Hintergrund: Standorte mit 800 m2 und mehr Verkaufsfläche florieren. Zuletzt wurden 29 neue Billa-­Märkte und 56 umgebaute Filialen vom Stapel gelassen.

Merkur. Auch bei Merkur will Haraszti das Tempo nicht drosseln. Auf der Agenda stehen für 2019 acht Umbauten und fünf Neu-Realisierungen. Die Standort-Anzahl wird damit über die 140er-Marke (derzeit: 136) gepusht werden.

Bipa. Noch deutlicher fallen die Umbau-Pläne bei Bipa ins Gewicht. „Wir könnten schon sehr kurzfristig in die Gewinn-Zone kommen, haben uns aber dafür entschieden, Bipa nachhaltig in Ordnung zu bringen.“ In den nächsten beiden Jahren sind per anno 180 Faceliftings geplant. „Eine Maßnahme, die sich natürlich auch am Ergebnis niederschlagen wird.“
Auch von einer neuen Schließungswelle will Haraszti nichts mehr wissen. 2018 gingen noch elf Märkte vom Netz. Mit 588 Standorten ging die Drogerie-Kette in das neue Jahr. „Das ist die Zahl, die wir auch in etwa halten werden. Wir sind mit dem Portfolio happy.“ Konkrete Eröffnungs- und Schließungs-Ziffern stehen noch nicht fest: „Es werden ein paar dazu kommen und ein paar noch vom Netz gehen.“ Sicher ist: „Es wird noch zu Standort-Abtäuschen kommen.“ Ebenfalls neu: Mit bi.home und bi.care werden Eigenmarken im Mittelpreissegment positioniert. „Die Industrie braucht keine Angst haben, wir setzen weiter auf eine Zusammenarbeit zwischen Hersteller- und Eigenmarke.“

Adeg. Zufrieden zeigt sich Haraszti mit der Entwicklung des Adeg Großhandels, der insgesamt mit einem Plus von 3,49 Prozent ins Ziel ging. Die Zahl der Kaufleute blieb weiter gleich. Insgesamt sind 280 gebrandete Standorte am Netz, dazu kommen noch 120 sonstige Lieferstellen (Bäckereien, kleine freie Kaufleute) und mittlerweile 327 Tankstellen. „Die Kaufleute verdienen gut. Aber nicht zuletzt ist die Gesamt-Entwicklung auch dem Ausbau der Belieferung von Shell-Tankstellenshops mit der neuen Marke ‚Billa unterwegs‘ geschuldet.“ Und auf REGAL-Nachfrage: „Die selbstständigen Einzelhändler haben 2018 ein einstelliges Plus erzielt. Beim Großhandel stieg der Umsatz zweistellig, allerdings von einem anderen Niveau aus.“

Penny. Penny lag mit 2,4 Prozent im Plus. 298 Standorte sind derzeit am Netz. „Zwei Märkte wurden eröffnet, 24 auf dem neuesten Stand gebracht.“ Für 2019 sind gleich sechs Eröffnungen und sechs Umbauten eingetaktet.

Ziele 2019. Heuer stehen die Zeichen auf Sturm. „Wir wollen wieder Wachstumsführer werden. Dazu soll auch wieder jede einzelne Vertriebsschiene Nummer eins in der Kundenwahrnehmung werden.“ Ziele, die erreichbar sind, denn: „Wir sind im ersten Quartal 2019 die am ­stärksten wachsende Vertriebsschiene.“

Marktanteile. 2018 hielten die Wiener Neudorfer ihren Anteil am LEH-Umsatzkuchen stabil bei 34,1 Prozent. Und dies trotz der Veränderungen im eigenen Unternehmen. „Es hat bei uns alles System. Wir haben aufgeräumt und strukturiert“, beschwichtigt Haraszti und spricht damit die umfassenden organisatorischen, strukturellen und auch personellen Maßnahmen in der vergangenen Periode an. „Dieser Schnitt war notwendig, um die Rewe in Österreich zukunftsfit zu machen.“

Unaufgeregt interpretiert der Bereichs-Vorstand auch die zuletzt gezeigten Entwicklungen des Handels-Riesen: 2018 kletterten die Umsätze der Rewe in Österreich um 1,51 Prozent auf 8,66 Milliarden Euro. Damit blieben die Wiener Neudorfer zwar unter der Inflationsrate, „aber wir hatten eine marktkonforme Entwicklung.“ Diese lag bei 1,68 Prozent. Hintergrund: „Der externe Wettbewerb bleibt hart, der Preisdruck nimmt zu.“

Rewe will Synergien schaffen. Deshalb ruft Haraszti zum Kurswechsel und zum Ende der internen Kannibalisierung auf und gesteht Fehler in den letzten Jahren ein. „Die Mitarbeiter wollen sich mit dem Markt auseinandersetzen und nicht mit internen Grabenkämpfen. Der Mitbewerb sitzt draußen.“ Das Zauberwort ist Synergie. „Es geht um Wissens- und Know-how-Transfer und Re-Organisation. Wir haben zum Beispiel jetzt ein Call- und ein Recruiting-Center. Der Vorteil: „140.000 Bewerbungen gehen jährlich bei unseren Vertriebsschienen ein. Durch die Zentralisierung ist es möglich Bewerber auch zwischen den einzelnen Geschäftsfeldern zu verschieben. Drei Viertel der Kandidaten sind mit diesem Procedere einverstanden.“ Auch bei der Preis- und der Aktionsstrategie gibt es mittlerweile einen Gleichklang. „Wir stimmen nicht die einzelnen Aktivitäten ab, sondern versuchen zu verhindern, dass die Werbe-Maßnahmen des Einen nicht die Aktionen des Anderen kannibalisieren.“ Überhaupt will die Rewe künftig mehr in den Kurantpreis investieren. Und dennoch: „Auf eine Ein-Marken-Strategie umzusteigen, sehe ich nicht als sinnvoll“, so Haraszti.

IT am Wienerberg. Dazu wird die gesamte IT der Rewe-International vom Wienerberg gesteuert. „Wir haben dort die Billa Digital Innovations gegründet, die 2018 als größtes Einzelprojekt die Software für die Jö-Kundenkarte abwickelte.“ 370 Mitarbeiter sind mittlerweile in den elften Bezirk „ausgelagert.“ „Wir werden heuer um weitere 80 aufstocken.“ Mit Jö folgt auch die Gleichschaltung der Kundenkarten. „Die Kunden wollen kein Meer an einzelnen Karten. Wir wollen alles verhindern, was möglichen Konsumentenschmerz verursachen könnte.“

Neuer Vertriebsdirektor. Eine weitere Schubkraft erwartet sich der Bereichs-Vorstand durch eine neue Außendienststruktur bei Billa. „Wir haben einen neuen Vertriebsdirektor ernannt, der künftig die AD-Mannschaft im Bereich Feinkost und Fleisch managen soll. Hier haben wir noch Aufholbedarf.“ Dazu soll die Billa-Eigenmarke entstaubt werden.

Kasse. In den Testbetrieb geht zudem Smart Shopping. „Wir werden dieses Tool in den nächsten Monaten bei einigen Filialen aufschalten“, so Matschke. Ein Probegalopp erfolgt dabei in der Wiener Perfektastraße. Konkret: Rewe macht in Zusammenarbeit mit einem Grazer Start-up das Scannen via Handy möglich. „Der Kunde scannt eigenständig während des Einkaufs seine Waren ab, schließt die Customer Journey mit einem Button ab und bezahlt mit dem am Handy zugewiesenen QR-Code an einem Terminal im Kassen-Bereich.“

Drive-In. Kein Roll-out zeichnet sich dagegen für Drive-In-Lösungen ab. „Das wird in der Wiener Perfektastraße noch nicht wirklich angenommen.“

Logistik. 2018 ging in St. Veit ein modernisierte Frische-Lager mit 13.000 m2 ans Netz, in Stams wurde eine Fläche von 5.000 m2 für Trockensortimente installiert. Dazu kam in Eberstalzell (Oberöster­reich) das Fleischwerk ans Netz. „Es wird sukzessive hochgefahren.“ Daraus sollen auch positive Effekte für das Fleisch-Segment generiert werden.

Öffnungszeiten. Stellung bezieht der Bereichsvorstand auch zum Thema Öffnungszeiten. „Wir würden gerne unsere Sperrzeiten vereinheitlichen und deshalb auf eine Ausweitung von 72 auf 76 Stunden plädieren.“ Das würde 500 zusätzliche Arbeitsplätze alleine bei der Rewe bringen. „Es wäre eine weitere Option sich gegen den Online-Handel zu behaupten.“

Investitionssumme gesamt. Ins­gesamt buttert der Konzern 800 Millionen Euro in seine international agierenden Märkte. „Das sind Plan-Zahlen, die sowohl in Österreich als auch in den verbundenen Ländern überschritten werden können. Dass zukunftsträchtige Projekte nicht realisiert werden, wird sicher nicht an den Finanzmitteln scheitern“, so Bereichsvorstand Christoph Matschke.

Rewe International. Wobei Rewe Group Vorstandsvorsitzender Lionel Souque festhält: „Es wird mittel –und kurzfristig keine neuen Rewe-Länder geben.“ Und Haraszti zur Entwicklung der Rewe International: „Wir haben die 16-Milliarden-Euro Schallmauer durchbrochen und nehmen schon Visier auf die 17 Milliarden Euro-Marke.“ Elf Länder sind aufgeschaltet. Vollsortiment CEE (Billa) legte um sieben Prozent auf 3,56 Milliarden Euro zu. Diskont International (Penny International) klettert um 6,5 auf 5,48 Milliarden Euro.
Im größten Einzelmarkt Tschechien konnte der Umsatz um neun Prozent gesteigert werden, aber auch die Slowakei mit einem Plus von 10,8 Prozent, Russland (+ 8,7 Prozent), die Ukraine (+ 4,9 Prozent) und Bulgarien (+ 6 Prozent) „konnten durchwegs positive Entwicklung verzeichnen.“ Dabei habe maßgeblich die Expansion in Litauen durch die Aufstockung der Minderheitsbeteiligung am Handelskonzern IKI zu einer vollkonsolidierten Mehrheitsbeteiligung beigetragen. Die Filial-Anzahl von Billa CEE stieg 2018 um 285 (davon 230 IKI Litauen) auf 916.

Penny. Bei Penny wurde die Flotte um 39 auf 1.505 Filialen ausgebaut. Das größte Penny-Land ist Tschechien mit 380 Standorten (+ 8,6 Prozent). In Rumänien kamen 15 Standorte dazu und wurden 236 Märkte modernisiert. In Italien (+3,6) standen neun Geschäfte auf der Expansions-Agenda. Ungarn lag mit sechs neuen Märkten beachtlich mit 9,5 Prozent vorne.

Umsatz Konzern. Insgesamt konnte die Rewe Group ihre Umsätze um 4,7 Prozent auf 61,2 Milliarden Euro Umsatz pushen. Der Konzern steigert die Umsatzerlöse um acht Prozent auf 53,4 Milliarden Euro. Eine wichtige Rolle gebührt weiter den Kaufleuten. „Sie sind im letzten Jahr um 10,2 Prozent gewachsen“, so Souque.

Herbert Schneeweiß