Das Geschäft mit den Wertkarten. Immer mehr Händler springen auf den Mobilfunk-Zug auf. Ein Blick auf die zwei Diskont-Angebote

Mobilfunk bei Hofer, Lidl & Co

  • Hofer mit 850.000 Mobilfunk-Kunden
  • Lidl will relevanten Marktanteil

Auch Lidl hat’s getan. Nach Hofer steigt der Diskonter ebenfalls in den Mobilfunk-Ring. „Lidl Connect“ umfasst derzeit vier Wertkarten-Tarife. Die Sim-Karten werden in über 240 Lidl-Filialen angeboten. Die Rufnummernmitnahme ist gratis, es fallen keine Aktivierungsgebühr oder Vertragsbindung an.
Auch bei Mitbewerber Hofer kann die Rufnummer gratis portiert werden. Bereits vor vier Jahren startete Hofer mit „HoT“. Das Konzept dahinter: Günstige Preise, ohne Servicepauschale und Mindestvertragsdauer. So wird auch eine Kündigung im üblichen Sinn überflüssig. „Versteckte Kosten sind bei unserem Mobilfunkangebot kein Thema, denn auch auf Aktivierungsgebühren und Index­erhöhungen bei bestehenden Tarifen wird verzichtet“, heißt es vom Unternehmen.

Datenvolumen. Kürzlich gab es eine Tarifoptimierung. Konkret stellt Hofer gratis Datenvolumen zur Verfügung. „Unsere Analysen zeigen, dass rund zehn bis 15 Prozent aller Kunden das im Tarif inkludierte Datenvolumen überschreiten. Die meisten buchen dann ein Refill-Paket oder bezahlen nach MB. Mit der kostenlosen Datenreserve machen wir einen weiteren riesigen Schritt hin zu noch mehr Komfort und Sicherheit für alle Kunden“ sagt Michael Krammer, geschäftsführender Gesellschafter der ventocom und HoT-Gründer. Bisher konnte Hofer, eigenen Angaben zufolge, 850.000 HoT-Kunden aufbauen.

Mobilfunkmarkt. Aktuell gibt es knapp 40 Marken bei mobilen Telefon- und Internetdiensten. Sie teilen sich auf die Netzbetreiber A1 Telekom Austria, Hutchison Drei Austria und T-Mobile Austria auf.
Hinter drei Marken stehen aktuell Lebensmittelhändler. s-budget, HoT und Lidl Connect. Ein genaues Hinsehen lohnt sich: „Lidl ist ein reiner Wiederverkäufer von Produkten eines Netzbetreibers. HoT hat bei Hofer seine eigene Tarif- und Produktgestaltung“, erklärt Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer Rundfunk und Telekom Regulierung (RTR) im Fachbereich Telekommunikation und Post. HoT arbeitet mit Netzbetreiber T-Mobile, genauso s-budget. Lidl greift auf das Drei-Netz zurück. Die Spar startete übrigens bereits 2011 mit ihrer eigenen Marke s-budget Mobile.

Vorteile für den Handel. Doch was ist eigentlich der große Vorteil für den Handel? „Es ist ein Mittel zur Kundenbindung und eine Möglichkeit im Handelswettbewerb gegen den wesentlichen Konkurrenten gleichzuziehen. Allenfalls geht es auch darum, die Produktpalette zu erweitern – um Dienste, Endgeräte, etc.“, sagt Steinmaurer.

Alles unter einem Dach. Die Motivation für Hofer? „Mit dem Ziel, unseren Kunden ein perfektes one-stop-Shopping-Erlebnis zu bieten, beobachten wir stets Trends, identifizieren Innovationen und Kundenbedürfnisse und passen dementsprechend das Angebot laufend an“, heißt es auf REGAL-Anfrage.
Ziel: Relevanter Marktanteil. Bei Lidl spricht man vom „besten Preis-Leistungs-Verhältnis“ für Kunden. „Es ist seit einiger Zeit wenig Bewegung am Markt – genau der richtige Moment und gleichzeitig unsere Motivation, hier den Markt richtig aufzumischen. Potenzial ist jedenfalls vorhanden“, sagt Mag. Christian Schug, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Sechs Monate nach der Entscheidung für „Drei“ waren die ersten SIM-Karten bereits in den Lidl-Filialen erhältlich. „Schon zum Start waren wir sehr erfolgreich. Ziel unseres neuen Geschäftsfeldes ist es, einen relevanten Marktanteil im Diskont-Mobilfunk zu erreichen“, so Schug.

Der Weg zum eigenen Tarif. Die rechtlichen Hürden für die Händler sind vergleichsweise gering. Der neue Dienst muss bei der RTR (mit Hilfe eines elektronischen Formulars) angezeigt werden. Hinzu kommt die Formulierung Allgemeiner Geschäftsbedingungen für Kunden und ein Vorweisen bei der Regulierungsbehörde. „Später kommen gewisse Meldeverpflichtungen für die Erstellung von branchenweiten Statistiken hinzu“, so Steinmaurer zu REGAL. Ab einer bestimmten Umsatzhöhe sind auch Finanzierungsbeiträge an die RTR zu leisten. „Im Endeffekt kümmert sich der Lebensmittelhändler selbst aber nur um Marketing und Verkauf von SIM-Karten.“

Bye bye Anonymität. Eine kleine gesetzliche Hürde kam Anfang des Jahres in das Mobilfunk-Geschäft. Denn seit 1. Jänner 2019 müssen, laut Telekommunikationsgesetz, in Österreich alle neu gekauften Wertkarten (Prepaid SIM-Karten) registriert werden. Für alle SIM-Karten, die schon vor 2019 aktiviert wurden, kann das bis 1. September nachgeholt werden. Erfolgt dies nicht, kann kein Guthaben aufgeladen werden. Wer ist dafür verantwortlich? Der Betreiber muss die Registrierung der SIM-Karten sicherstellen. Kann er das nicht, drohen Strafen bis zu 37.000 Euro.
Lidl startet in einem Umfeld, in dem die Verpflichtung bereits bekannt ist. Der Hostbetreiber deckt die Registrierung ab. Schwieriger wird es für jene, die eine Registrierung nachholen müssen. „Viele Kunden werden sich wieder neu umschauen und Preise vergleichen, bevor sie ihre alten SIM-Karten registrieren lassen“, ist Schug überzeugt.

Mitarbeiter geschult. Hofer bietet sowohl eine Registrierung Online als auch in der Filiale an. „Um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen, wurden unsere Mitarbeiter vorab umfassend informiert und geschult. Die Umstellung ist bisher sehr gut verlaufen“, heißt es von Unternehmensseite.

Fakten. Die Endkundenumsätze im Mobilfunkbereich betrugen im Vorjahr rund 2,38 Milliarden Euro. Ein Plus von 1,6 Prozent. Die Zahl der telefonierten Minuten stieg um 3,3 Prozent an (vgl. zu 2017). Noch stärker wuchs das genutzte Datenvolumen. Die 1,49 Terabyte, die 2018 konsumiert wurden, bedeuten ein Plus von 44,4 Prozent gegenüber 2017. Zusammenfassend: Ende 2018 telefonierte ein Teilnehmer durchschnittlich 171 Minuten im Monat. Die Zahl der SMS sank je User von monatlich 19 auf 16.

Verena Widl