Mag. Nikolaus Huber, Geschäftsführer UNILEVER Austria

Unilever-GF Huber: Marke, Wachstum & Erfolg

Unilever Austria kam mit einem satten Wachstum aus dem Vorjahr. In 2019 kann Geschäftsführer Mag. Nikolaus Huber, seit Februar im Amt, das Wachstumsmoment mitnehmen und weiter ausbauen. Treiber sind starke Neuheiten, die Innovationsquote ist hoch.

REGAL: Wie ist die Entwicklung?
Unilever Austria kann auf eine sehr erfolgreiche Wachstumsagenda in den vergangenen Jahren blicken. In fast allen Kategorie- und Markenbereichen konnten wir unsere Marktstellungen stärken und ausbauen. Der Erfolg basiert auf langjähriger, starker Markenbildung, jährlichem Innovationsdruck und konstant starker Bewerbung. Letztes Jahr konnten wir im hohen einstelligen Bereich abschließen, 2019 sind wir ebenso stark unterwegs.

Was sind die aktuellen Wachstumskategorien in Österreich?
Fast alle Märkte in denen wir uns bewegen, entwickeln sich positiv und wir sind dabei zum Großteil der Wachstumstreiber, insbesondere bei Eiscreme und unseren „Foods“ Märkten mit Knorr, Kuner und Hellmann’s Mayonnaise. Auch im Körperpflegebereich v.a. mit Duschgels und Deos sowie bei Haushaltsreinigern v.a. mit Cif. Umsatzseitig bin ich mit der Entwicklung in allen Segmenten sehr zufrieden. Wir wachsen in allen vier Geschäftsbereichen.

Die Trockenfertiggerichte Märkte zählen aber nicht zu den echten Wachstumsfeldern?
Das stimmt nur bedingt. Unsere Foods-Märkte tun sich schwerer, wir wachsen dennoch.

Comfort Intense war ein Megalaunch. Zufrieden mit den Ergebnissen?
Reichweite, Marktanteile und Wiederkaufsraten stimmen. Das Weichspüler Konzept von Comfort Intense hat sich in Österreich super etabliert und wird jetzt im dritten Jahr gerade einem umfassenden Relaunch unterzogen. Die neuen Comfort Intense Flaschen bestehen zu 100 Prozent aus post consumer rezyklierten Plastik, das ist ein wichtiger Teil des Konzepts.

Welcher Trend bestimmt künftig die Marken bei Unilever?
Die Konsumenten suchen authentische und integre Marken. Unsere Produkte müssen daher neben dem reinen Produktnutzen einen emotionalen Mehrwert mitbringen, eine echte Überzeugung in sich tragen und einen ökologischen oder sozialen Aspekt aufgreifen, wie etwa bei Ben & Jerry’s oder Love Beauty & Planet. Zukünftig werden alle unsere Marken einen solchen Purpose in sich tragen, der sich dann natürlich auch in entsprechender Innovation und Kommunikation wiederfindet.

Neue Märkte, neue Marken: Welche konkreten Pläne haben Sie für Ihre Marken?
Auch 2019 drehen wir die Innovationsschlagzahl wieder deutlich nach oben. Im Ice Cream Bereich greifen unsere Marken alle Top-Trends und Wachstumsplattformen mit rund 50 Innovationen auf. Das ist das stärkste Neuheiten-Sortiment seit Jahrzehnten. So haben wir zum 30. Geburtstag von Magnum, den wir heuer feiern, mit Magnum White Chocolate & Cookies, das verspielteste Magnum aller Zeiten auf den Markt gebracht. Ben & Jerry’s ist weiterhin auf Höhenflug. Noch mehr bewussten Genuss gibt es heuer mit Breyers Delights. Die US-Trendmarke steht für weniger Kalorien, weniger Zucker und ist reich an Protein. Breyers Delights ist seit 2019 mit vier Varianten erstmals auch in Österreich erhältlich.

Und die neue Marke GROM?
Der Erfolg des original italienischen Gelatos von GROM hat 2018 alle Erwartungen übertroffen. Wir sprechen hier von einem echten norditalienischen Manufaktureis, einfach herrlich! 2019 haben wir neue Sorten auf den Markt gebracht und die Distribution ausgebaut.

Im Foods Bereich?
Hier haben wir vor Jahren schon mit Knorr Echt natürlich auf den Trend hin zu natürlichen Zutaten gesetzt und führen diese Entwicklung der Kategorie als Marktführer konsistent fort. Dabei sind wir auf einem sehr erfolgreichen Weg. Daneben bauen wir auch den stark wachsenden Bereich der Snac­kbecher weiter aus und bringen die beliebte Knorr Sweety Range nun auch als Milchreis und Grießkoch im Becher. Den stark wachsenden Markt rund um BBQ und Burger Saucen bereichern wir seit zwei Jahren mit der Marke Hellmann’s. Eine bessere Mayonnaise habe ich noch nicht gegessen, v.a. perfekt für Burger und Street Food. Auch in der Gastronomie sind wir mit Hellmann’s immer präsenter und schaffen damit viel Wiedererkennungswert für die Marke, was natürlich auch der Performance im Handel zugutekommt.

Beauty & Personal Care sowie Home Care gelten im Konzern als Fokus­kategorien.
Hier haben wir dieses Jahr sehr erfolgreich die Marke Love Beauty & Planet gelauncht. Erhältlich in fünf Kollektionen, dreht sich bei Love Beauty & Planet alles darum, was man tun kann, um uns und unseren Planeten gleichermaßen schöner zu machen. Es wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der sich über die sorgfältige Auswahl der Inhaltsstoffe, Verpackungsmaterialien sowie sozialer Partnerschaften erstreckt. Der Launch wurde gemeinsam mit unseren Kunden phänomenal geplant und umgesetzt, die Marktperformance macht mich sehr zufrieden. Im Home Care Bereich heuer neu auf dem Markt gebracht haben wir die neue Cif Natur Range. Die Formulierung enthält weißen Essig und Zitronensäure. Die Flaschen dieser neuen Range bestehen aus 100 Prozent rezykliertem Plastik und tragen somit maßgeblich zu unserem Plan bei, bis 2025 einen hohen Prozentsatz der Home Care Verpackungen aus rezykliertem Plastik zu verwenden. Mit den neuen Refill Packungen machen wir noch einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Plastikreduktion.

Auf welche Trends setzen Sie bei Waschmittel?
Auch der Trend hin zu Waschmittel-Caps ist ungebrochen. Der Caps-Markt ist 2018 wertmäßig um mehr als 50 Prozent gewachsen. Wir setzen auch auf diesen Trend und haben neben OMO nun gerade unter der Marke Coral Waschmittel-Caps auf den Markt gebracht, die schonende Reinigung und anhaltende Frische garantieren.

Inwieweit ist Unilever mit seinen Innovationen lokal?
Laufend neue Innovationen sind integraler Bestandteil unserer Marketing- und Markterfolgs-Strategie. Dabei orientieren wir uns natürlich stark an globalen Trends und finden dafür auch viel Unterstützung im Konzern, insbesondere im Beauty & Personal Care-, Home Care- und in Teilen auch im Ice Cream Portfolio. In den Foods Märkten wiederum agieren wir sehr lokal, innovieren und rezeptieren mit Knorr und Kuner mit vollem Fokus auf den österreichischen Gaumen … und der Erfolg gibt uns recht.

Wo geht der Trend bei den Innovationen grundsätzlich hin?
Neben der klassischen Produkt-, Rezept- und Formulierungsinnovation wird sich die Innovationsleistung künftig auch noch mehr in der Nachhaltigkeit der Verpackungen wiederfinden. Das ist zum einen unsere unternehmerische Verantwortung und wird zudem auch von den Konsumentinnen immer stärker nachgefragt. Wir sprechen da von konsequenter Reduktion von Verpackungsmaterialien sowie von der Wiederverwertbarkeit von Kunststoffabfällen aus der Hausmüllsammlung. Wir reduzieren Abfall, indem wir den Einsatz von Rohstoffen für Verpackungen verringern, Verpackungen wiederverwerten oder recyclen. Dabei möchte ich aber betonen, dass Plastik durchaus ein hervorragendes Verpackungsmaterial ist, allerdings nur wenn es in einer Kreislaufwirtschaft wiederverwertet wird. Es ist ein Wertstoff. Dafür setzen wir uns ein, indem wir künftig noch weitaus mehr PCR-Kunststoff (PCR=Post-Consumer Recyclat) für Produktverpackungen verwenden. Auch wollen wir bereits 2025 sicherstellen, dass unsere Verpackungen zu 100 Prozent recycelbar, wiederverwertbar oder kompostierbar sind. Dieses ambitionierte Ziel hat sich Unilever bereits im Jahr 2017 gesetzt und die gesamte Konsumgüterindustrie aufgerufen, die Umstellung zu einer Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Es ist Zeit zu handeln!

Welche Akzente setzen Sie in der Zusammenarbeit mit dem Handel? Welche Vorteile bieten Sie?
Die aktuellen wirtschaftlichen Meldungen in Europa und auf globaler Ebene deuten auf eine Abschwächung der Wachstumskurve hin. Wenn sich das auf den privaten Konsum auswirkt – und das tut es immer – dann könnten durchaus herausfordernde Jahre auf uns zukommen. Und zwar für Handel und Industrie gleichermaßen. In diesem Kontext braucht der Handel vor allem Wachstums­bringer, starke Marken und Konzepte die krisenfest sind, dem Konsumenten eine stabile Preis-Leistung Balance bieten. Unilever mit seinen Marken ist so ein starker Wachstums- und damit auch Ertragsbringer. Das beweisen wir jeden Tag. Überspitzt formuliert, der Konsument wird sich gut überlegen, ob er sein Geld wirklich für das X-te life-style Start-up-Produkt ausgeben will oder ob er eben doch auf die bewährte Qualität der Marke und deren erwartbare Innovationsleistung setzt.

Der Handel sagt: „bekannt, aber unbedeutend und damit verzichtbar, darauf müssen wir als Händler in Zukunft noch stärker achten, wenn wir unser Sortiment zusammenstellen. Wie richtet sich die Unilever danach aus?
Integre Marken, laufende Innovation und starke Kommunikation sind grundlegende Pfeiler für unseren Erfolg. Damit entwickeln wir Märkte, schaffen Wachstum- und Ertragspotenzial. Den zitierten Dreiklang sehe ich bei unseren Marken nicht.

Sind Start-ups für Sie eine echte Konkurrenz?
Jedes Angebot, das ähnliche Konsumenten­bedürfnisse adressiert, ist Konkurrenz. Wettbewerb ist gut und wichtig, er fördert Kreativität und Innovation, schafft neue Angebote, Nachfrage und im besten Fall auch Wertschöpfung.

Welche Bedeutung haben Online Absätze?
Die aktuellsten Marktzahlen laut Kantar konstatieren einen E-Commerce-Anteil am LEH in Österreich von rund zwei Prozent. Das ist ernüchternd. Zum einen, wenn man sich den Anteil von E-Commerce beispielsweise in UK ansieht – dort sind es sieben Prozent – und zum anderen angesichts der hohen Investments einzelner Händler in den Bereich.

Warum ist das in Österreich so?
Es überrascht nicht wirklich, denn Österreich hat hinter Norwegen die zweithöchste Shop-Dichte Europas und gleichzeitig ist das Qualitätsniveau der Verkaufsflächen in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein geringer E-Commerce Anteil stellt aber in keiner Weise digitale Vermarktungs­strategien in Frage. Diese sind heute wichtiger denn je, denn es sind zunehmend digitale Kanäle, Online-Foren usw., wo sich unsere Konsumenten über unsere Produkte und Marken informieren. Oder andersrum, man muss mit seinen Marken da präsent sein, wo Meinungsaustausch und Kommunikation stattfindet. Das passiert immer mehr online. Für unsere Mediastrategie heißt das schon heute, dass wir zwischen 30-40 Prozent in digitale Kanäle investieren. Zielgruppengenau und höchst werbewirksam.

Danke für das Gespräch.
Interview: Robert Falkinger